2/2017 mittendrin

Gedanken

Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen
evangelisches Kirchengesangbuch, 649
Seit einiger Zeit beschäftige ich mich (und unseren Hauskreis) mit dem 1. Johannesbrief. In diesem Brief geht es immer wieder um Liebe. Christus fordert von uns, andere Menschen zu lieben, wie er uns geliebt hat, ja so zu lieben wie wir uns selbst lieben. Bruderliebe als Kennzeichen der Beziehung zu Gott. Die Einheit von Gottesliebe und Bruderliebe. Und so weiter. Immer wieder erlebe ich, dass wir diese Liebe, die wir doch von Jesus empfangen, nicht so weitergeben wie er es sich wünscht.

Bei der Suche nach Ursachen bin ich auf das folgende Lied geführt worden. Da Passion mit Leidenschaft, starke Liebhaberei übersetzt wird, dachte ich, dass es auch passend zur Passionszeit – fürs mittendrin – wäre. ... lass mich auf deine Brücken trauen ... Das Bild von der Brücke soll uns in der Passionszeit helfen, das Leiden Jesu und seine Bedeutung für uns neu zu bedenken. Jesus war Brücke für alle, die ihm begegnet sind und ist es für alle, die ihm auch heute noch begegnen. Er führt Menschen, wie Petrus, aus dem Alltag seiner Arbeit zu einem neuen Lebenssinn.

Die Mutter des Jünglings von Nain aus der hoffnungslosen Trauer in die Freude über Gottes Macht und sein kommendes Reich. Kranke und Gebundene führt er in Freiheit und Gesundheit. Isolierte aus der Einsamkeit in die Gemeinschaft mit Gott und mit anderen Menschen. Schuldbeladene befreit er von ihrer Unruhe und führt sie zum Frieden mit Gott. Jesu Gleichnisse sind Brücken, die er für Fragende, Zweifler und Gegner baute, um ihnen den Weg zu ihm zu bahnen. Seine Gleichnisse sind die Einladung: Betritt die Brücke, sieh dir die Sache einmal von meiner Seite aus an und fasse Zutrauen zu Gott. Jesu Leiden, Sterben und Auferstehen – im Kreuz zusammengefasst – ist die stärkste Brücke für uns. Jesus hat die Liebe und Macht Gottes gelebt und uns vorgelebt, bis hin zum Tod. Er ist die lebendige Brücke zwischen Gott und uns. Sie ist es, die uns mit allen unseren Schwächen, aller Schuld, allem Versagen und aller Angst unseres Lebens trägt. Hin zum Frieden und zu einer neuen Beauftragung durch Gott.

Lasst uns doch Schritte tun auf dieser Brücke. Das Gebet ist ein solcher Schritt vom Ufer des Misstrauens, der Angst, der Auflehnung gegen Gott zum Ufer des Vertrauens, der Geborgenheit und der Bereitschaft, Jesus nachzufolgen. Dann können wir auch selber in unserer Welt Brücken sein. Weil Jesus uns versöhnte als wir noch Feinde waren (Römer 5,10), bitten auch wir: „Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen“. Ja in Jesus sind sie schon gebaut, wir brauchen sie nur begehen. Wir können den ersten Schritt auf den anderen zu tun.

Helmut